Texte

Klang der Farbe, Kraft der Linie, 2016



Presseresonanz (Auswahl)

Poesie der Farbe - Atelierbesuch bei der Malerin Brigitte Siebeneichler (Künstlerporträt) in:
Kultur Begegnungen, Ausgabe 27, Mai bis November 2017.

www.kulturvision-aktuell.de/print/

Brigitte Siebeneichler: Farben für Emotionen, Linien für Expression, in: Trendguide Home - Oktober 2016, S. 64-67.

Brigitte Siebeneichler – Land Art, in Linea Futura, Frühjahr 2011, S. 16-17.


Bibliographie (Auswahl)


2006 Ausstellungskatalog für die Orangerie München: Malerei des Augenblicks, München, mit einem Vorwort von Gisela Prokop (zahlreiche farb. Abb.).
2010 Ausstellungskatalog: Coinciding at the Wall, Whith Space Gallery Beijing, S. 44-47 (mit farb. Abb.).
2010 in Vernissage - Das Magazin für aktuelles Ausstellungsgeschehen, Dezember 2010, Nr. 296, S. 73 (mit farb. Abb.).
2011 in Linea Futura, Frühjahr 2011, Brigitte Siebeneichler – Land Art, S. 16-17 (mit farb. Abb.).
2012 in Zweinulleins, Ausstellungskatalog Galerie Schrade - Schloß Mochenthal, 2009, S. 11 (Text), S. 78-85 (mit farb. Abb.).
2013 in Süddeutsche Zeitung, Barbara Szymanski: „Im Rhababerland“, Sept. 2013 (mit frab. Abb.).


Formengrund – Grundformen

Der Ausstellungstitel “Formengrund – Grundformen” verweist auf die zentrale Ausrichtung eines Werkes, in dem die künstlerische Auseinandersetzung in einem konsequent und nachhaltig in Richtung Abstraktion zielenden Formenkanon kulminiert. Signalhafte Zeichen von entsprechend unkompliziertem Zuschnitt bilden die Gestaltungsprinzipien der Münchner Künstlerin Brigitte Siebeneichler, deren Arbeiten sich in Form von abstrahierten malerischen Bildwelten scheinbar spielerisch manifestieren. Kunstgeschichtlich betrachtet steht die Künstlerin in der Tradition der Abstrakten Kunst, einer Stilrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ursprung nahm, als die ersten Maler sich immer weiter von der Wiedergabe oder Interpretation der realen Welt in ihrer Arbeit entfernten. Unter die Bezeichnung fallen sowohl „abstrakt-abstrahierende“ wie „abstrakt-gegenstandslose“ Werke. Erstere abstrahieren vom Gegenstand, letztere bedienen sich autonom der künstlerischen Mittel ohne jeden Gegenstandsbezug.

Das künstlerische Schaffen der Malerin Brigitte Siebeneichler lässt aus dem Blickwinkel, der Selbstwahrnehmung Kompositionen entstehen, die eine Phantasiewelt jenseits der Abbildung von Realität sichtbar machen. Das Spannungsfeld dieser “imaginis”, die als innere Bilder den subjektiven Ausdruck ihrer Wahrnehmung auf die erfahrbare, äußere Welt darstellen, wird mithilfe abstrakt-abstrahierender Bildmuster umgesetzt. Das zentrale Thema der Künstlerin stellen Landschaften dar, das Repertoire ihrer Sujets umfasst darüber hinaus aber auch figurative Darstellungsmotive sowie reine Farbabstraktionen im Sinne der sogenannten Farbfeldmalerei.

Materie, Struktur, Farbe und Licht – Siebeneichler transportiert und erzeugt Gefühle mithilfe von Materialien, denen solches eigentlich nicht innewohnt. Die zwingende Wirkung, die diese einfachen Mittel hervorzubringen vermögen, ist in dem sinnlichen Arbeitsprozess begründet, der bereits mit dem Aufbau des Bildgrundes beginnt.

Aus der Überlagerung von lasierend durchscheinenden Farbschichten, erwachsen durch das schnelle und spontane Auftragen der Farbmaterie, aktuell mit schmalem oder breitem Pinselstrich sowie den teilweise pastos gesetzten Pigmenten, Bildträger, die mit den strukturbildenden Acrylfarben untrennbar verschmelzen und dadurch eine ganz eigene, nochmals gesteigerte Ästhetik entwickeln. Das naturnahe Prinzip der Metamorphose, von Umbildung und Abwandlung, spiegelt diesen lebendigen künstlerischen Prozess wider. Die Analogie der dabei geschaffenen Bilder wird durch eine strukturbetonte Oberfläche und kräftige Farbigkeit mit expressiv gesetzten Kontrasten evident. Den Kompositionen liegen zu Beginn ihrer Entstehung keine festen Bildideen zugrunde, sie stellen vielmehr Räume ohne ein Außen, aber mit einem umso intensiveren Innen dar. Im Laufe ihres experimentierfreudigen Arbeitens entstehen Zufallsformen, denen die Künstlerin genügend Raum lässt, um neue Ideen aufzunehmen und zu verwerfen – bis ihr virtuoser Duktus zu einer endgültigen Formgebung gelangt.

Die überwiegend großformatigen Bilder, vielfach versehen mit perspektivisch und fluchtartig angelegten Linien, evozieren eine Tiefenwirkung, und aus einiger Entfernung betrachtet, beispielsweise die Illusion abstrahierter Natur- und Stadtlandschaften. Innere Bilder dienen der Künstlerin als Muse ihrer Kompositionen, die, anfangs stark vom Unbewussten geleitet, mithilfe von Farbe, Linien, Kontrasten und geometrischen Flächen, sowie bewusst den Bezug zu Gegenständlichem abstrahierend, als universale, gleichzeitig aber auch strukturierte und harmonische Bildeinheiten Sichtbarkeit erfahren. Selbst die Farbgebung wird der schöpferischen Kraft während des malerischen Aktes überlassen, ganz im Sinne des künstlerischen Credo’s der Brigitte Siebeneichler, dass mit einem Eingreifen im richtigen Moment intepretiert werden kann. Parallel zur Inszenierung innerbildlicher Imaginationsräume, verkörpert die offene, geradezu leicht anmutende Malerei der Künstlerin eine große Transparenz, die einen gegenseitigen Dialog von Innenwelt und Außenwelt geradezu herausfordert. Die sinnliche Intensität der malerischen Bildwelten von Brigitte Siebeneichler eröffnet Räume, die dazu animieren, vom Betrachter mit Erinnerungen, Erfahrungen und Befindlichkeiten gefüllt zu werden. Die Komplexität ihrer Darstellung der persönlichen Reflektionen einer “gefühlten Innenwelt” eröffnet dem Rezipienten großen Spielraum für vielfältige Assoziationen und lässt mehrdeutige Interpretationen zu. Der Betrachter wird somit als integraler Bestandteil in den künstlerischen Prozess mit einbezogen, und überwindet demzufolge seine tradierte Rolle als bloßer Zuschauer.

Behutsam, aber nachhaltig setzt die Künstlerin Fragen um das Ausdruckspotential gegenstandsloser Kunst, sowohl im Sinne einer abstrakt-abstrahierenden als auch abstrakt-gegenstandslosen Position, sowie den Alternativen der Betrachtung zweidimensionaler Werke fort, und stellt sich damit in die Tradition einer selbstreflexiven Kunst, die ihre eigenen Möglichkeiten und Beschränkungen mit reflektiert. Die Werke von Brigitte Siebeneichler kombinieren Farbe, Fläche und Linien zu malerischen Kompositionen, die weniger für eine Fusionierung der Einzelteile sorgen als dafür, eine Bühne gleich verteilter Aufmerksamkeit zu schaffen. Der vielschichtige Wirkungstransfer im Oeuvre von Brigitte Siebeneichler kulminiert in der Polarität von Subjekt und Objekt. Das betrachtende Subjekt, wobei die Künstlerin als erster Betrachter verstanden werden muss, lässt die Objekte lebendig werden. Mithilfe ihrer besonderen Gestaltsprache schafft es Brigitte Siebeneichler, den Betrachter mit in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung zu stellen, wodurch eine größere Verschränkung von Kunst, realer Umwelt und Rezipient erzielt werden kann. Es ist Kunst, die Form, Farbe und Bildgestaltung weitgehende Autonomie von Gegenständlichem zugesteht, ganz im Sinne Wassily Kandinsky’s, der einmal sagte: “Die ureigene Idee der Kunst ist ihre Gegenstandslosigkeit.”

Britta Acquistapace – Kunstwissenschaftlerin,
München 2012



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